Atelier Almut Ruepp

Wolfgang Feelisch zur Arbeit von Almut Ruepp

Wenn man Kunst als Lebensmittel definiert, dann fügt Almut Ruepp in der Thematik ihrer Arbeiten den Heilaspekt hinzu.

Ohne Glaubensfragen zu berühren, setzt sie sich damit in eine Linie mit den weißen, den weisen, den wissenden Frauen, die den Geheimnissen der Natur nahe waren, was damals weder den Herrschenden noch der Kirche recht war. Heute ist keine Gefahr mehr, wenn sich eine approbierte Apothekerin für ihre Malerei Kräuter als Sujet auswählt und den Versuch unternimmt, für das Auge zunächst unsichtbare Strukturen und Vorgänge zumindest nachvollziehbar zu machen.

Die zum Teil großformatigen Bilder sind Entsprechungen zu vegetativen Wachstums- und Vermehrungsprozessen in sensiblen Farbharmonien oder auch eruptiven, stark gestischen Formfindungen. Sie wollen den Betrachter mitnehmen auf den Weg von der augenscheinlichen Oberfläche in Wahrnehmungsbereiche, die wie beim Elektronenmikroskop erst in unserer Epoche, also zeitnah heute und jetzt, zugänglich sind.

Das ist spannend, mutig und heilvoll zugleich. Wir haben noch viel zu lernen. Wir haben noch viel zu entdecken.

                                     Wolfgang Feelisch

 

Die Malerei von Almut Ruepp

findet ihren Ausgangspunkt in detaillierter Analyse und Skizzierung unterschiedlichster Objekte und (Makro)-Details in ihrem Skizzenbuch. Von diesen gegenständlichen Startpunkten ausgehend, entwickelt sie auf großformatigen Leinwänden in zahlreichen Schritten ihre Arbeiten.
Konstruktive und destruktive Schritte liegen zu Grunde bereits vorhandenes wird durch eine neue Schicht überlagert oder ganz ausgelöscht. Die Malerei zeichnet sich durch starke, oftmals eigene Farbigkeit aus. Betrachtet man die Bilder von der Nähe kommen kleine Zeichnungen, Texte oder zarte Linien zum Vorschein.
Thematische Schwerpunkte der Arbeit entstehen im Spannungsfeld zwischen pharmazeutisch-botanischem Hintergrund und der emotionalen Kraft der bildnerischen Darstellung.
In den Arbeiten werden makroskopische Pflanzenstrukturen, physiologische Prozesse und Wirkprinzipien, die in sich einen Sinnzusammenhang tragen, wiedergegeben.
So sieht man in der Arbeit "Magentee" die Bestandteile von Anis, Fenchel und Kümmel, wie sie durch ein Mikroskop zu sehen sind. Ergänzt wird dies durch Textfragmente wie der Dosierungs- und Gebrauchsanweisung, die mit Bleistift, Tusche oder Ölkreide aufgebracht wurden.